Die Drittel Regel

Bildkomposition gemäß der Drittel-Regel

In der Bildgestaltung erleichtern Hilfslinien die Kreation harmonischer Kompositionen. Bei der Drittel-Regel wird eine Aufnahme mit Hilfe eines Rasters, in jeweils drei gleich große Bereiche geteilt. Bei einem horizontal ausgerichteten Bild erhält man durch die Teilung neun Rechtecke mit dem Seitenverhältnis des Gesamtformats. Die jeweils horizontalen Rechtecke bilden nebeneinanderliegend das obere, das mittlere und das untere Drittel. Um den Bildaufbau zu strukturieren wird der Horizont oder die horizontale Linie bei der Bildaufnahme entweder auf der oberen oder der unteren Drittellinie platziert, das Hauptmotiv auf einem der Linienschnittpunkte.

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Abbildung 13: Das Raster der Drittel-Regel

Bildbeschreibung

Das Foto auf Abbildung 14 wurde nach den Richtlinien der Drittel-Regel komponiert. Die Bild aus der Normalperspektive wurde vom Wasser aus mit Blick auf das Ufer der Insel Panglao, im Südwesten der philippinischen Inselprovinz Bohol, aufgenommen. Der Blick des Betrachters fällt sofort auf einen Turm inmitten des Dschungels, welcher nach den Proportionsregeln, auf dem oberen linken Linienschnittpunkt liegt – das Hauptmotiv der Aufnahme.

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Abbildung 14: Die Drittel-Regel – Fotografie (Quelle: Eigene Aufnahme, 2011)

Das obere Drittel der Komposition zeigt einen leicht bewölkten Himmel. Dominiert wird dieser Abschnitt von einem in Richtung Horizont immer heller werdenden Blau. Die flachen, leicht gräulichen Haufenwolken sind vor allem in den äußeren beiden Bereichen des oberen Drittels vorzufinden. Aus der Bildmitte ragen vier Palmen, zwei links, zwei rechts gepaart, mit ihren Kronen bis in den oberen Bildbereich, hervor. Die von der linken Seite aus zweite Krone ist im Vergleich zu den anderen weniger reich an grünen Palmenblättern.

Das Hauptmotiv zeichnet sich, durch das einzige von Menschenhand erschaffene Element der Aufnahme, aus. Die erste Palme von Links, direkt neben dem Turm ist der höchste Punkt am Horizont. Das flache, jedoch spitzzugehende Dach des Turms ist mit tonfarbenen Ziegeln bedeckt. Der Turm selbst ist aus hellem Stein gebaut. Sichtbar sind drei längliche Fenster die rund um den Turm angeordnet sind. Eines davon gewährt, knapp über die Baumspitzen hinweg, Ausblick in Richtung Fotograf – der Turm als Beobachter des Betrachters.

Im mittleren Drittel trifft der samtige Himmel auf den stark strukturierten Tropenwald mit seiner pflanzenreichen Ufervegetation. Verschiedenartige Büsche, Hölzer, Palmen und Bäume schmücken den dichtbesiedelten Wald. Am Ufer entlang steigen die Stelzwurzeln des Mangrovenwaldes empor. Das Ufer verläuft in einem geschwungenen Bogen von der linken ins Abseits der rechten Bildhälfte.

Das untere Drittel besteht flächenmäßig größtenteils aus windloser Wasseroberfläche in der sich der mächtige Schatten des Tropenwaldes spiegelt.

Bildaufbau nach Drittel-Regel

Der hochliegende Horizont auf der oberen Drittellinie vermittelt Nähe und betont die Landschaft im Vordergrund. Da der Wald die Horizontlinie verbirgt, wird keine Tiefenwirkung erzeugt. Der Fokus auf den Vordergrund dämpft die Stimmung im Bild.

Für die Bildkomposition wurde ein Querformat, mit einem Seitenverhältnis von 4:3 gewählt. Ein Querformat wirkt eher passiv und kommuniziert Ruhe und Stabilität. Die horizontale, statische Ausrichtung untermauert die Idylle der Tropenlandschaft, aufgenommen im Licht Abendsonne. Die Stimmung, die das Bild transportiert, ist eine ruhige, die in diesem Moment jedenfalls nicht sichtbar gestört zu werden scheint. Doch vermittelt der nicht vorhandene Blick in die Ferne das Gefühl von Unsicherheit und den Eindruck in der Szenerie gefangen und beobachtet zu sein. Die Bildachsen verlaufen innerhalb der Komposition in positiver Richtung, waagerecht von links nach rechts.

In der Komposition überwiegen vor allem kalte Farben wie grün und blau. Auf Grund der Sonneneinstrahlung wird dem dichten Blatt-und Wurzelwerks ein goldener Schimmer verliehen, sodass diese Naturtöne nicht etwa Kühle vermitteln, sondern vielmehr Gelassenheit und Ruhe. Der Flächenanteil und die Leuchtkraft der Farbe Grün dominieren den Quantitätskontrast der Bildkomposition. Auf Grund der hellen Farbe und Position des Aussichtsturms wird dem Hauptmotiv, trotz der dominierenden Fläche des Waldes, die erzielte Beachtung geschenkt. Denn „je höher die Leuchtkraft bzw. die Helligkeit einer Farbe, desto kleiner kann ihre Fläche sein, um die entsprechende Wirkung zu erzielen.“ (siehe, Böhringer, J./ Bühler, P./Schlaich, P./Ziegler, H.-J.: 2003, S.14.) Durch die Spiegelung des Waldes im seichten Wasser gewinnt die Komposition trotz waagerechter Linienführung an Räumlichkeit.

Die waagerechte Linienführung gliedert das Landschaftsmotiv. Parallel zum Bildrand schaffen die Abschnitte eine Ordnung und Regelung des Gesamtmotivs. Die drei erkennbaren, systematischen Linien, die das Bild unterteilen werden durch einen Hell- Dunkel-Kontrast zwischen der Helligkeit des Himmels und der eher dunklen Farbe des Vordergrunds unterstrichen. Zwischen mittlerem und unterem Drittel ist ein weiterer Hell-Dunkel-Kontrast erkennbar: Über dem schattigen Meeresufer leuchten die Stelzwurzel leicht golden unter dem Mangrovendickicht hervor.

Die drei wesentlichen Flächen, unterscheiden sich außerdem durch ihre unterschiedliche Struktur. Jede Einheit erzeugt durch ihre Oberfläche einen andersartigen Effekt: das Wasser und der Himmel zeichnen sich durch eine eher glatte, der Wald durch eine raue Oberfläche aus. Dieser Effekt erzeugt zusätzlich Spannung in der Bilddynamik.

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