Rhetorik heute

Rhetorische Prozesse heute

Die Digitalisierung hat die klassischen Kommunikationskanäle vervielfältigt. Neue Techniken beschleunigen die rhetorischen Prozesse von heute und haben den Informationsaustausch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wertvoll ist die Rhetorik hinsichtlich der Kompetenz, sich in die Rolle des Adressaten hineinversetzen zu können. Gerade in Politik, Wirtschaft, Werbung, Journalismus, Literatur und Kunst spielt das Vermögen sich gewählt ausdrücken zu können eine wichtige Rolle. Hier werden heute nach wie vor kommunikative Ziele und komplexe Sachverhalte mit Hilfe von rhetorischen Mitteln erreicht.

Die Funktion der Rhetorik hat sich durch die Jahrhunderte immer wieder verändert. Die Digitalisierung der Medien hat neben den technischen Neuerungen auch Kommunikationsprozesse und –strukturen, die öffentlich stattfinden, revolutioniert.

Netzakteure sind die neuen Meinungsführer

Stark vernetzte Akteure (Influencer), häufig internetaffine Journalisten oder Blogger, gehören zu den begehrten Multiplikatoren der heutigen Zeit.[1] Sie treffen mit ihrer Ausdrucksweise den Nerv der Zeit, setzen Themen und üben einen erheblichen Einfluss auf ihre Zuhörerschaft aus. Spätestens hier findet sich die ‚Kunst der Beredsamkeit’ (Rhetorik) wieder. Hintergründiges originell, glaubwürdig und verständlich zu vermitteln, ohne dass Leser oder Zuhörer das Interesse verlieren erfordert stilistische und sprachliche Kenntnisse. Diese Kenntnisse sind notwendig um anspruchsvolle Rezipienten bedienen zu können.

Überwiegend befinden sich unter den neuartigen Meinungsführern Personen, die sich in ihrem Interessenfeld im Netz einen Bekanntheitsgrad erarbeitet haben. Sie machen sich für eine bestimmte Sache stark oder glänzen mit Kompetenzen auf einem bestimmten Gebiet. Bloggende Journalisten, Buchautoren oder im Netz aktive Prominente haben sich längst zu meinungsführenden Autoritäten entwickelt. Sie beeinflussen den digitalen Raum und ihre Empfänger maßgeblich.

Marketing-Experten nutzen Influencer, um durch sie auch die junge Zielgruppe zu erreichen. Sie schenken den netzaffinen Persönlichkeiten mehr Vertrauen als der klassischen Werbung. Zum anderen können diese mit geringerem Zeitaufwand adressiert werden als über die klassischen Kommunikationswege. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Online-Medien hier ein direktes Feedback über Klicks und Likes ermöglichen.

Influencer können mittels Online-Marketing-Tools identifiziert werden. Diese ermitteln welche Reichweite und welches Ansehen die Influencer in ihren Communities genießen. Mit den Instrumenten lässt sich auch zurückverfolgen, welche Akteure Meinungen lancieren und wer sich hierbei beteiligt. Auch die Anzahl von Abonnenten der Beitragsstränge spielt eine große Rolle. Maßgeblich ist, dass die Autoren regelmäßig Beiträge verfassen und veröffentlichen. Ausschlaggebend sind neben ihren sozialen, auch empathische Kompetenzen um bei der Zielgruppe Anteilnahme zu erzeugen.

Um Influencer für eine Kampagne gewinnen zu können, und um so einer Leistung oder Marke zum Durchbruch zu verhelfen, muss dem Produkt, welches es zu vermarkten gilt erst eine für den Influencer belangvolle Botschaft zugewiesen werden, die für ihn rechtfertigt, sie an seine Kontakte weiterzugeben. Erst wenn der Influencer von einem Produkt überzeugt ist, wird er bereit sein, seine Überzeugung mit der Öffentlichkeit zu teilen. Etablierte Marken oder etwa junge Unternehmer, die es schaffen netzaffine Autoritäten für sich zu gewinnen, haben Chancen ihre Reputation zu Stärken, Hypes zu erzielen und Trends zu setzen.[3]

Immer häufiger versuchen Unternehmen Netzautoritäten auch als Kampagnengesicht zu gewinnen. Der neue Marketingkanal mit direktem Kommunikationsweg zwischen Influencer und Zielgruppe, ist ein extrem starkes Werbeinstrument. Die Information gleicht einer direkten Empfehlung, lebt vom Vertrauen und birgt gerade deshalb enormes Potential. Verbraucher werden von der Überzeugung von Influencern für ein Produkt angesteckt. Ein vielversprechender Weg, den immer mehr Unternehmen für sich und ihre Produkte nutzen wollen.

Charakteristik von Meinungsführern in der heutigen Zeit

Heute, wie auch in der Antike hat sich die Charakteristik eines Meinungsführers wohl kaum verändert. Die meist standhaften, durchsetzungsfähigen und selbstsicheren Personen mit hohem Verantwortungsbewusstsein sind äußerst kontaktfreudig und streben verstärkt nach kommunikativem Austausch.[4]  Dabei agieren sie als Mittler zwischen Sender von Massenmedien und dem nicht aktiven Teil der Empfänger von Botschaften. Meinungsführer übersetzen Informationen der Massenmedien in persönliche Kommunikation.[5] Meinungsführer mit besonders großem Netzwerk besitzen eine gesonderte Stellung. Sie verfügen über wesentlich mehr Kontakte und Informationen. Bei seinen Adressaten sucht er nach sozialer Anerkennung. Innerhalb der Gruppe vollzieht sich zwar ein dialogartiger Austausch von Ansichten, der Meinungsführer aber hat, durch seine Besonderheit, einen stärkeren persönlichen Einfluss auf die Gemeinschaft. Er ist dazu in der Lage Meinungen und das Verhalten anderer zu beeinflussen.[6]

[1] Vgl. Reil H. (2014): Influencer Marketing: Die hohe Kunst der Beeinflussung von Meinungsmachern. GBI-Genios Verlag. S.4
 [3] Vgl. Schenk, M. (2002): Medienwirkungsforschung. Tübingen: Mohr Siebeck. S.354
 [4] Vgl. ebd. S.353
 [5] Vgl. Trommsdorff, V. / Teichert, T. (2009): Konsumverhalten. Kohlhammer. S.227
 [6] Vgl. Krocher-Riel, W. / Gröppel-Klein, A. / Weinberg, P. (2009): Konsumverhalten. München: Vahlen. S.549
 
Ihnen gefällt der Artikel?

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

GOOGLE
GOOGLE
http://martha-theresa-borst.de/rhetorik-heute
INSTAGRAM