Rhetorik und Kommunikation

Zeit- und raumunabhängige rhetorische Situationen

In der heutigen Zeit haben sich weniger die rhetorischen Prozesse sondern mehr die Art des Mediums, welches ein Mensch für meinungsbildende Prozesse und zur Kommunikation nutzt verändert. Heute muss man nicht mehr, wie noch in der Antike, zu öffentlichen Versammlungen hasten. Um sich eine Meinung über Themen zu bilden, die die Welt interessieren, ruft man nötige Informationen, bereits noch vor dem Frühstück von der Bettkante ab. Ob über Twitter, Facebook oder dem Stöbern in vertrauten Blogs und Foren, innerhalb von Gruppen des selben Kommunikationsmilieus, in nur wenigen Sekunden gelangt man zu den neusten Themen und steigt bei einer Tasse Kaffee am Frühstückstisch direkt mit in die Diskussionen ein. [7] Die digitalen Medien und die Nutzung von Social Media haben nicht nur den kommunikative Alltag verändert sondern gestalten meinungsbildende Prozesse interaktiver als je zuvor. Auch die Versorgung mit Informationen ist heute vielfältiger denn je. Ob on- oder offline, von wem oder woher man Informationen erhält ist jedem selbst überlassen.

Meinungsverbreitung und –bildung mittels Social Media

Neben den traditionellen Medien haben sich soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. als alltägliche Informationsträger und Kommunikationsmittel etabliert. Den Themen für den Informations- und Meinungsaustausch sind in der Netzwelt keine Grenzen gesetzt. Die digitale Kommunikation beeinflusst damit auch zunehmend die öffentliche Meinungsverbreitung und –bildung. Bei der Nutzung sozialer Medien wird beispielsweise nur noch selten zwischen öffentlicher und privater Kommunikation unterschieden. Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kultur haben längst die Bedeutung sozialer Medien für die (Netz-) Öffentlichkeit erkannt und äußern ihre Meinungen und Interessen zu themenspezifischen Fragen auch verstärkt über die neuen Kommunikationskanäle. Via Social Media werden Neuigkeiten und bedeutsame Ereignisse ohne redaktionellen Filter geteilt. Dialogbereite Akteure haben so die Möglichkeit ihre Sympathie, Glaubwürdigkeit und Authentizität in der Öffentlichkeit zu stärken. Die offene Diskussion und der direkte Meinungsaustausch mit der Community kann das Vertrauen zusätzlich festigen.

Inhalte, die die Welt beschäftigen mitgestalten

Rhetorische Prozesse spielen sich heute in jeglicher Form ab. Ob in öffentlichen Diskussionen, Vorträgen oder Sendungen sind Nachrichten abrufbar: Die bereitgestellten Inhalte werden der Öffentlichkeit an allen Orten, zu jeder Zeit zugänglich gemacht. Kommentarfunktionen lassen die Interaktion und einen weiteren Informationsaustausch untereinander zu.
Mit dem Schreiben eines Blogs wird heute jedem das Publizieren von Inhalten im Web ermöglicht. So wird das setzen von Themen nicht nur den Institutionen überlassen, sondern kann auch von jedem anderen mitgestaltet werden. In Foren und auf Blogs werden durchaus ernstzunehmende Diskussionen zu Politik, Wissenschaft und Technik geführt. Leser kommentieren, steigen in die Diskussion ein, verlinken und zeigen mit einem „Gefällt mir“ dass sie der gleichen Meinung sind. Laut einer Studie von MORI stufen 42% der Befragten Weblogs als Informationsquelle und Meinungsbildung als sehr wichtig ein.[8]

Auch Medienpsychologen blicken verstärkt auf interaktive Kommunikationsprozesse. Der Informationsfluss zwischen Sender und Empfänger verläuft nicht mehr nur in eine Richtung.  Beide Kommunikationspartner senden und empfangen zugleich.


 [7] Vgl. Krocher-Riel, W. / Gröppel-Klein, A. / Weinberg, P. (2009): Konsumverhalten. München: Vahlen. S.553.
 [8] Vgl. Neuberger, C. / Nuernbergk, C. / Rischke, M. (2006): Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? Eine Forschungssynopse zum Wandel der Öffentlichkeit im Internet. In: Media Perspektiven, Heft 2. S.96-112.
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