Rhetorische Situation aus institutioneller Sicht

Gerade von institutionellen Einrichtungen wird aus Vertrauensgründen eine glaubwürdige, verständliche Kommunikation erwartet. Der Fachbereich Germanistik der Universität Heidelberg versteht Rhetorik neben schriftlich und sprachlich stilistischen Fertigkeiten auch  als eine „systematische gegenstands-, situations- und partnerbezogene Ausdruckskunst, als eine soziale Institution“ und „Instrument zur Speicherung und beständigen Aktualisierung kollektiver Wissensbestände.“[11] Dies bedeutet dass sich parallel zu einer noch laufenden Übertragung, bereits über Gesagtes ausgetauscht wird. Aus einstigen Monologen werden Szenen des Dialogs, wenn sich Redner in einem permanenten Austausch mit der Öffentlichkeit befinden. Vor diesem Hintergrund nehmen Kommunikationswissenschaftler, die rhetorische Ausdrucksweise und gegenwärtige Sprachqualität, von beispielsweise Funktionsträgern der Wirtschaft bei deren Auftritte, genauer unter die Lupe. [12][13]

Im Konkurrenzkampf um die begrenzten Aufnahmekapazität von Lesern, Hörern und Zuschauern ist auffallend, dass sich Unternehmen weniger werbend klingende Darstellungsformen zu nutze machen. Redaktionell verfasste Beiträge werden tendenziell besser angenommen als reine Werbebotschaften.[14]

Auch in der internen sowie externen Unternehmenskommunikation spielt die Rhetorik eine tragende Rolle, vor allem wenn es darum geht, Interessen und Anliegen nach außen bzw. innen zu tragen. Neben rhetorischen Kenntnissen gewinnen auch die psychologischen an Bedeutung. Täglich werden Kommunikationsstrategien geschmiedet, mit welchen Mitteln die Unternehmen das Image am besten aufpolieren können.

Mit Hilfe von rhetorischen Fähigkeiten Erkenntnisse überliefern

Das erlangte Wissen über Rhetorik hilft dabei Ansichten, Meinungen und Ideen geordnet, stilvoll und verständlich zu vermitteln. Viele Wissenschaftler, sind nicht unbedingt dazu in der Lage, Fachkenntnisse in einer für die Allgemeinheit verständlichen Sprache zu vermitteln. Wie sollen aber Entscheidungen zu komplexen Themen wie z.B. die Gentechnik getroffen werden, wenn wesentliche Inhalte nicht verstanden werden? Gelungene Kommunikation, muss verständlich und überzeugend bei Adressaten ankommen. Andernfalls verfehlt die Rhetorik ihre hochgradige Relevanz für die Meinungsbildung der demokratische Öffentlichkeit.

Rhetorik in der Politik

Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, wie wichtig es ist, manipulative Absichten zu überführen. Gerade in Zeiten des Wahlkampfs wird seit jeher Rhetorik genutzt um auf politische Ziele aufmerksam zu machen. Inhalte von Wahlprogrammen werden einfach dargestellt. Für politische Vorhaben werden Sympathie und Akzeptanz geweckt. Rhetorische Duelle vor den Wahlen sind beim Publikum beliebt, da sich im Streit der Kontrahenten eine Meinungsbildung vollziehen kann. Argumente für das Pro und Contra werden ausgetauscht und diskutiert.

Die Aufmerksamkeit von Rezipienten gewinnen

Täglich steht der Journalismus vor der Herausforderung, gesellschaftliche Themen allgemeinverständlich zu veranschaulichen. Mit Hilfe von Beispielen aus dem Leben gelingt es den wortgewandten Journalisten Informationen jeglicher Form an die Gesellschaft weiterzugeben. Im Wettrennen gegen die digitalen Medien sind die Herausgeber der Printmedien durch den Zeitverzug benachteiligt. Schwer vermittelbare Inhalte ohne Unterhaltungsfaktor stellen eine weitere Herausforderung.[16]

Nonverbale Ausdrucksformen

Durch multimediale Faktoren die heute nahezu jede rhetorische Situation begleiten, ist es mehr als angebracht beide Ebenen, die verbale und nonverbale genau zu betrachten. Nonverbale Mittel, wie Gestik, Mimik, Körpersprache und Bewegungen haben heute einen ebenso, wenn nicht vielleicht sogar einen höheren Stellenwert als die Essenz des Gesagten. Sprachrhythmen und Stimme oder körperliche Eigenarten können dem Vorgetragenen  noch einmal eine andere Bedeutung geben. Die Einführung visueller Medien wie Kino und Fernsehen haben einen erheblichen Teil dazu beigetragen das nonverbale Elemente heute eine größere Rolle spielen.

Heute wird immens darauf geachtet wie etwas gesagt wird, subjektive Faktoren, der Ort an dem Reden gehalten werden und das zugehörige multimediale Angebot rücken mehr und mehr in den Vordergrund der rhetorischen Analyse.

[11] Vgl. Rhetorik-Homepage, Germanistisches Seminar Universität Heidelberg http://www.rhetorik-homepage.de/ (Zugriff am: 23.12.2015)
[12] Vgl. Obmann, C.: 2012, In: Handelsblatt online. 08.05.2012: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/rhetorik-ranking-manager-brauchen-dringend-nachhilfe/6609398.html (Zugriff am: 23.12.2015)
[13] Vgl. Schulz von Thun, F. / Berghes, M.V. / Langer, I. / Tausch, R. (1974): Überprüfung einer Theorie der Textverständlichkeit: Verbesserung der Verständlichkeit von Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Veröffentlichungen, in: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (6). S.192 – 206
[14] Vgl. Alternative Werbeformen (2007): Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK. Nürnberg: http://www.webguerillas.com/de#/lvl0/Services/id1/11/ und http://brainwash.webguerillas.de/uncategorized/alternative-werbeformen-studie/ (Zugriff am: 23.12.2015)
[16] Vgl. Gerhards, M. / Klingler, W (2009).: Sparten- und Formattrends im deutschen Fernsehen. In: Media Perspektiven. S.662-678 http://www.ard-werbung.de/media-perspektiven/publikationen/fachzeitschrift/2007/artikel/web-20-nutzung-und-nutzertypen (Zugriff am: 23.12.2015)
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